Unbequeme Wahrheiten

"Radikale Ehrlichkeit." Darauf bin ich gestoßen im Kontext eines Artikels über Behandlung von Suchterkrankungen. Die Psychiaterin Anna Lembke verschreibt dabei "eine Therapie der radikalen Ehrlichkeit". Es sei wichtig, konsequent die Wahrheit zu sagen - "auch, wenn es um unbedeutende Dinge geht". ("Radikale Ehrlichkeit fördert die psychische Gesundheit", www.nzz.ch, 18.09.2021)


Ehrlichkeit bewusst zu trainieren, konsequent, Schritt für Schritt, und reflektiert, ebenso wie andere Fähigkeiten? Ein spannender Gedanke!


Auch das Zukunftsinstitut beschäftigt sich mit dem vom Psychotherapeuten Brad Blanton geprägten Konzept der radikalen Ehrlichkeit:


Wir lügen ungefähr 150- bis 200-mal am Tag – darunter fallen auch Ironie, Untertreibungen und jene Routinen des Zynismus, die wir schon gar nicht mehr wahrnehmen. (...) Blanton zufolge entsteht diese Dynamik in Wirklichkeit aus einer zentralen Ursünde: dem Belügen unserer selbst. Wir haben unbewusst Angst davor, zu viel von dem zu empfinden, was wir nicht empfinden wollen." (www.zukunftsinstitut.de)

Bei Ironie und Untertreibung fühle ich mich ja schon angesprochen. 🤷‍♀️

Hier wird auch sehr deutlich: Es geht um die Flucht vor unbequemen Wahrheiten. Ehrlich zu sich selbst und anderen zu sein, ist das konsequente Einlernen vom Aushalten und "Showing up" auch in unangenehmen Situationen - statt davor zu flüchten.


Dabei ist die radikale Ehrlichkeit nun auch nicht ganz so "radikal":

"Es ist illusionär, zu denken, dass man immer ehrlich sein kann. Dazu sind die sozialen und emotionalen Kosten zu hoch. Man muss aber auch nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen." (www.zukunftsinstitut.de)

Kein Freibrief


Radikale Ehrlichkeit ist dabei auch kein Freibrief für Gemeinheiten, oder legitimiert, andere zu verletzen. Stattdessen ist diese Aufrichtigkeit eine andere Basis für Beziehungsgestaltung, Vertrauen, Offenheit - in jedem Kontext. Gegenüber Team, Kund:innen, Familie, Partner:in... Ich exponiere mich damit. Ich zeige mich - anstatt mich bedeckt und formal korrekt zu (ver)halten.


Tja, und in Sachen "sich zeigen" sind wir wieder beim Thema #PersonalBranding! Du wünschst dir einen authentischen Auftritt? Keine übersteigerten Erwartungen? Willst ein stimmiges Selbstmarketing und eine klare Positionierung? Das ist der Schlüssel dazu!

Und das gilt natürlich auch für #Selbstmanagement #Leadership #Persönlichkeitsentwicklung #Learning - das sind durchaus auch entscheidende Anwendungsbereiche.



Starting small.


Lasst es uns einmal als Selbstversuch angehen, nach dem Motto: Klein anfangen - Hauptsache anfangen! Eben einfach "nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen".


"Berühre den Heimtrainer", schlägt John Stepper in seinem Programm "Working Out Loud" vor. Wenn das Ziel, jeden Tag 10 Minuten am Heimtrainer zu trainieren, viel zu hoch gesteckt ist, dann beginne einfach mal damit, jeden Tag hinzugehen und kurz deine Hand auf das Ding zu legen. Mach es zu einem Teil deines Alltags. Irgendwann gehst du einen Schritt weiter, stellst dich mal drauf - ohne zu trainieren. Und dann, wenn du dich daran gewöhnt hast, geht es weiter. Mach den ersten Schritt so lächerlich klein, dass es wirklich KEINEN Grund gibt, es nicht zu tun. Hauptsache #machen.


Wenn wir nun das Thema Ehrlichkeit anpacken: Wie wäre es, wenn wir einmal "kurartig" und methodisch eine Woche, einen Monat lang, jeden Tag zumindest eine kleine, unbedeutende Wahrheit aussprechen? Eine Sache, die so lächerlich klein ist, dass es nicht ins Gewicht fällt - und wo wir doch im ersten Impuls etwas anderes gesagt hätten, weil es eben auch nicht unbedingt nötig gewesen wäre, die Wahrheit zu sagen. Wie fühlt sich das an, wenn wir uns sukzessive daran gewöhnen, in Alltagssituationen (in denen auch Unehrlichkeit keine großen Auswirkungen hätte), eben grundsätzlich ehrlich zu sein? Eigentlich ist doch jede ehrliche Ansage auch ein wenig ein Befreiungsschlag 😉


"Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar", sagt Ingeborg Bachmann. Doch vielleicht müsste man auch sagen: "Die Wahrheit auszusprechen, ist dem Menschen zumutbar."


In diesem Sinne:


Welche unbequeme Wahrheit sprichst du heute aus?



Dankesehr, bitte mehr?


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Lieber Gruß! Deine Margarita 😊


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